Sexuelle Süchtigkeit

Süchtige Sexualität besteht aus folgenden vier Komponenten:

  • Das sexsüchtige Verhalten beansprucht mehr Zeit als gewünscht.
  • Zwanghaftes Verhalten wiederholt sich.
  • Alle Versuche, das süchtige Verhalten zu unterbinden, werden nicht durchgehalten oder misslingen völlig.
  • Trotz negativer Konsequenzen wird das Verhalten fortgesetzt.

Martin Kafka (Psychiater) hat folgende Kriterien für die Erfassung der »Hypersexualität« vorgeschlagen:

Länger als sechs Monate kommt es zu Auftreten von mindestens vier der folgenden fünf Kriterien:

  1. Mehr Zeit als gewünscht wird in Anspruch genommen von sexuellen Fantasien und durch die Planung und Durchführung sexueller Handlungen.
  2. Wiederholung des Verhaltens bei Verstimmungen (Ängsten, Unbehagen, Langeweile)
  3. Als Reaktion auf belastende Lebensereignisse kommt es zu diesem hypersexuellen Verhalten
  4. Wiederholte, vergebliche Versuche, dieses Verhalten zu verändern
  5. Das Verhalten wird ausgeführt ohne die negativen Folgen für Körper und Psyche sowie soziale Risiken zu berücksichtigen.

Die Kontaktmuster zur Pornographie im Internet können sich unterschiedlich entwickeln.

  • sich lockern und auflösen
  • sich verdichten und zu einem kritischen Konsum führen
  • zu ernsthafter Sexsucht führen und die Betroffenen in eine schwere Abhängigkeit führen

Um von Heilung sexueller Süchtigkeit sprechen zu können, sollten folgende Komponenten erfüllt sein:

  1. Völlige Unterlassung oder sehr starke Verringerung des süchtigen Verhaltens,
  2. Veränderung und Aufheben der Verhaltens- und Erlebensdefizite des Patienten im Verhältnis
    a) Zu sich selbst
    b) Zu anderen Menschen
    c) In der zwischenmenschlichen Sexualität = die Störung der Intimität beheben, um damit süchtige Sexualität zu kompensieren

Ein wichtiger Aspekt in der Behandlung sexueller Süchtigkeit ist die Bereitschaft zum Lustverzicht. Der Verzichtsprozess steht dabei in enger Verbindung mit einem Trauerprozess. Die Beziehung zum Suchtmittel sollte als eine reale und tatsächliche Beziehung gedacht werden. Der Verlust dieser Beziehung muss betrauert werden.