Psychotherapie bei sexuellen Funktionsstörungen

Sexuelle Probleme können Symptom einer körperlichen oder psychischen Erkrankung sein sowie als Folge von Konflikten entstehen. Je nach ihrer Entstehung fällt die Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen in den Bereich der Psychotherapie (=Sexualtherapie).

Als sexuelle Störung bezeichnet man Ausprägungen des Sexualverhaltens bzw. des sexuellen Erlebens , die durch den Betroffenen selbst als „Störung“ empfunden werden. In einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 1994 gaben 43 % der Frauen und 35 % der Männer an, unter sexuellen Störungen zu leiden. Besonders häufig sind die männliche Erektile Dysfunktion, mangelnde Libido sowie Orgasmusstörungen.

Die Ursachen sexueller Probleme können vielfältig sein. Grundsätzlich können mindestens fünf Ebenen von Ursachen unterschieden werden:

  • frühkindliche Traumata
  • psychische Störungen
  • verletzende Erfahrungen
  • Beziehungsprobleme
  • körperliche Probleme

Meistens sind mehrere Ursachen an der Entstehung einer sexuellen Störung beteiligt.

Unter dem Begriff der sexuellen Funktionsstörung werden alle Beeinträchtigungen der sexuellen Funktionen zusammengefasst. Für die Diagnose fordern die Klassifikationssysteme, dass das sexuelle Problem ein Leidensdruck oder Schwierigkeiten zwischen den Partnern verursacht

Es werden unterschieden:

  1. Störungen des sexuellen Verlangens (Libidoveramung/Libidoverlust)
  2. Störungen der sexuellen Erregungen:- Vorzeitiger Samenerguss (Ejakulatio praecox)

    – Erektile Dysfunktion

    – Vaginismus (Scheidenkrampf)

  3. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie)
  4. Orgasmusstörungen
  5. Störungen in der Entspannungsphase

Die Störungsbilder werden unterschieden je nach dem, in welcher Phase des sexuellen Reaktionszyklus (beschreiben von Masters und Johnson) sie auftreten.

Heilung sexueller Süchtigkeit

Süchtige Sexualität besteht aus folgenden vier Komponenten:

  • Das sexsüchtige Verhalten beansprucht mehr Zeit als gewünscht.
  • Zwanghaftes Verhalten wiederholt sich.
  • Alle Versuche, das süchtige Verhalten zu unterbinden, werden nicht durchgehalten oder misslingen völlig.
  • Trotz negativer Konsequenzen wird das Verhalten fortgesetzt.

Martin Kafka (Psychiater) hat folgende Kriterien für die Erfassung der »Hypersexualität« vorgeschlagen:

Länger als sechs Monate kommt es zu Auftreten von mindestens vier der folgenden fünf Kriterien:

 

  1. Mehr Zeit als gewünscht wird in Anspruch genommen von sexuellen Fantasien und durch die Planung und Durchführung sexueller Handlungen.
  2. Wiederholung des Verhaltens bei Verstimmungen (Ängsten, Unbehagen, Langeweile)
  3. Als Reaktion auf belastende Lebensereignisse kommt es diesem hypersexuellen Verhalten
  4. Wiederholte, vergebliche Versuche, dieses Verhalten zu verändern
  5. Das Verhalten wird ausgeführt ohne die negativen Folgen für Körper und Psyche sowie soziale Risiken zu berücksichtigen.

Die Kontaktmuster zur Pornographie im Internet können sich unterschiedlich entwickeln.

  • lockern und auflösen
  • verdichten und zu einem kritischen Konsum führen
  • zu ernsthafter Sexsucht führen und die Betroffenen in eine schwere Abhängigkeit führen

 

Um von Heilung sexueller Süchtigkeit sprechen zu können, sollten folgende Komponenten erfüllt sein:

  1. Völlige Unterlassung oder sehr starke Verringerung des süchtigen Verhaltens,
  2. Veränderung und Aufheben der Verhaltens- und Erlebensdefizite des Patienten im Verhältnis
    1. Zu sich selbst
    2. Zu anderen Menschen
    3. In der zwischenmenschlichen Sexualität = die Störung der Intimität beheben, um damit süchtige Sexualität zu kompensieren

Ein wichtiger Aspekt in der Behandlung sexueller Süchtigkeit ist die Bereitschaft zum Lustverzicht. Der Verzichtsprozess steht dabei in enger Verbindung mit einem Trauerprozess. Die Beziehung zum Suchtmittel sollte als eine reale und tatsächliche Beziehung gedacht werden. Der Verlust dieser Beziehung muss betrauert werden.