Hypnosetherapie 

Tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Modelle orientieren sich mit ihren Pathologie-Hypothesen an der Vergangenheit. Schwäche, Unfähigkeit und Defizite werden in linear-kausaler weise aus Erfahrungen der Vergangenheit erklärt. Die biologische Psychiatrie hat die Hypothesen entwickelt, in denen  »psychische Störungen« als Stoffwechseldefekte erklärt werden (z.B. Mangel an Serotonin).

Die defizitfokussierenden Konzepte können bei Menschen, die unter psychischen Beschwerden leiden, das Erleben verstärken, dass sie ohnmächtige und inkompetente Opfer sind, welche unwillkürlichen Prozessen ausgeliefert sind.

Die Phänomene der psychischen Symptome werden mit den Diagnosen Depression, Angst, Zwang oder Sucht zu dem Realitätskonstrukt einer Verdinglichung, welche den Eindruck erwecken kann, Betroffene hätten eine Depression/Angst/Zwang wie einen Gegenstand oder eine genetische Eigenschaft (z.B. braune Haare). Dieses verdinglichte Konzept, in welchem Symptome als Defizit gesehen werden und die Aufgabe des Therapeuten darin besteht, mit entsprechenden therapeutischen »Techniken« die Symptome »wegzumachen«, sollte aufgegeben werden.

Die Erkenntnisse der Neurobiologie, der Hypnosetherapie und der hypnosystemischen Arbeit zeigen allerdings, dass jedes Erleben das Ergebnis einer Aufmerksamkeitsfokussierung ist. Das Erleben wird sowohl bewusst-willentlich als auch unwillkürlich-unbewusst neu erzeugt. Dabei wirkt die Ebene des Unbewussten/Unwillkürlichen besonders stark und schnell.

Niemand »ist« nur »depressiv«, »hat einen Zwang«; »hat eine Angststörung. Wenn jemand unter einem depressiven Prozess leidet, kann das verstanden werden als: der Mensch ist intensiv mit Prozessen assoziiert, mit denen er sich selbst auf unwillkürlicher/unbewusster Ebene selbst niederdrückt. Stephen Gilligan und Gunter Schmidt haben Symptome wie »Depression« als Ausdruck unbewusst selbst indizierter »Problemtrance« verstanden.

Die Kommunikationsprozesse mit den Betroffenen sollten sich deshalb so gestalten, dass jedes hilfreiche Erfahrungspotenzial, jede denkbare Kompetenz, jede schlummernde Ressource intensiv in  den Aufmerksamkeitsfokus gerückt wird. Viele Kompetenzen für hilfreiche Entwicklungen können so wieder aktiviert werden, auch, wenn sie den Betroffenen nicht mehr bewusst sind. Die Gestaltung der Gegenwart bestimmt, welche Wirkungen man den vergangenen Erfahrungen und der Zukunftsvision erlaubt.

In der Hypnosetherapie wird die Entstehung einer psychischen Störung als unbewusste-unwillkürliche, aktive Leistung des Individuums betrachtet. Diese selbstwirksam erbrachte Leistung wird dabei nicht als Ausdruck von Inkompetenz und Defizit. Sieht man diese Leistung, wird verständlich, dass man mit Fragen »Wie können Sie die Angst/den Zwang/die Depression verstärken«, die Selbstwirksamkeit erhöhen kann. Wichtig ist, dass der Therapeut behutsam und achtsam vorgeht, dass es beim Betroffenen würdigend und ermutigend ankommt und so die Menschen in ihrer Autonomie und Kompetenz sehr wirksam unterstützt werden.

Wird die Entwicklung von Symptomen als Leistung gewürdigt, kann auch folgende Frage gestellt werden: „Welche Funktion haben die Symptome, welche auf unbewusster Ebene unwillkürlich »gemacht« werden?“ Mit diesem Ansatz können die Symptome in ganzheitlich würdigender Weise genutzt werden, um einen Bewusstwerdungsprozess in Gang zu setzen.

Auf der Ebene des Unbewussten, wo diese beschriebene Leistung vorhanden ist, sind auch die Kompetenzen, die für hilfreiche Lösungen benötigt werden, gespeichert und in der Hypnosetherapie werden auf diese selbstwirksame Kompetenz zurückgegriffen.

Ebenfalls auf unbewusster Ebene können die Betroffenen können Befürchtungen angesiedelt sein, dass sich unerwünschte Auswirkungen ergeben könnten, wenn die Lösungskompetenz aktiviert und genutzt wird. Die Befürchtungen beziehen oftmals darauf, dass andere durch die erfolgreiche Umsetzung der gefundenen Lösung Probleme bekommen könnten.

Dann kann eine Symptomatik und das bisherige Nichtnutzen von Lösungskompetenzen als eine unbewusste Loyalitätsleistung verstanden und gewürdigt werden. So sollte der Therapeut auch den unbewussten Widerstand gegen Besserung oder die Ambivalenz geachtet und für die Heilung genutzt werden.

In der Hypnosetherapie können Patienten lernen und korrigierende Erfahrungen machen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen den eigenen Handlungen und Entscheidungen und den Symptomen der Angst/der Depression/der Sucht. Wenn anderen die Schuld gegeben wird, gibt der Patient ihnen Macht. Wenn für die Gefühle von Depression, Angst, Wut und Enttäuschung auf andere, die Umstände und die anderen verantwortlich gemacht werden, macht man sich selbst hilflos. Der Patient wird die Kompetenzerfahrung machen, dass er selbst seine Gefühle steuern und erkennen kann: »Mein Handeln, Denken und meine Entscheidungen bestimmen, wie ich mich fühle«.

 

Was ist Hypnose? Wie wirkt Trance?

Es gibt eine Fülle von Missverständnissen und Fehlannahmen bezüglich der Hypnose. In den Medien ist immer noch zu lesen, dass in der Hypnose der Hypnotiseur den Hypnotisierten steuert und dann auch noch Macht über ihn gewinnt. Eine wissenschaftlich sinnvolle Definition setzt Hypnose mit einem spezifischen Zustand des Gehirns in Beziehung.

Hypnotische Trance bezeichnet im Allgemeinen einen veränderten Tagesbewusstseinszustand, in welchem die Aktivität in einem Bereich des Gehirns stark erhöht ist, während in anderen Bereichen die Aktivität deutlich verringert ist.

Die Natur hat Tiere und Menschen mit der angeborenen Fähigkeit ausgestattet, Trancezustände zu entwickeln, da diese für das Überleben von Bedeutung sind (z.B. gerät eine Katze in einen Trancezustand, wenn sie ein Beutetier fixiert. Jede menschliche Höchstleistung wird in einem Trancezustand vollbracht (z. B. Sportler, Künstler, Musiker und Schauspieler, die wie mit ihrer Tätigkeit verschmelzen). In Extremzuständen der Psyche entwickeln sich spontane Trancezustände, in welchen z. B. kein Schmerz wahrgenommen wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen: In Trancezuständen werden Fähigkeiten sichtbar, die weit über diejenigen in Normalzuständen hinausgehen.

Im modernen Verständnis von Hypnosetherapie wird Trance als Erleben verstanden, bei dem Unwillkürliches vorherrscht. Da auch das unbewusste Wissen über psychologische und psychosomatische Zusammenhänge erhöht sein kann, wird Trance auch für psychotherapeutische Zwecke genutzt (Therapie in Trance; Hypnosepsychotherapie; psychotherapeutische Hypnose). In Trance hat das Gehirn eine gesteigerte Fähigkeit, sich neu zu organisieren und auszurichten.

Die in der Psychotherapie genutzten Trancen können auch als Lösungstrancen bezeichnet werden.

Lösungstrance: Sie ist charakterisiert durch eine willentlich herbeigeführte, zieldienliche Trance, um willentlich unwillkürliche Prozesse in Gang zu setzen.

Aber Menschen können unwillentlich/unbewusst in belastenden Situationen auch Trancezustände entwickeln, die als Lösungsversuche zu verstehen sind, aber gleichzeitig zu einem weiteren Problem werden.

In traumatisch erlebten Situationen erleben Betroffene Zustände, die beschrieben werden mit: Schmerzunempfindlichkeit, Gefühllosigkeit, wie betäubt sein, das Gefühl, neben sich zu stehen, sich von außen zu betrachten oder Teile des Körpers nicht mehr richtig wahrnehmen zu können. Diese Zustände sind als von der Psyche unbewusst in Gang gesetzte Selbstrettung in der Situation hilfreich, werden aber zu Problem, wenn durch Trigger im Hier-und-Jetzt die Betroffenen an eine traumatische Situation erinnert werden und diese Zustände wieder ausgelöst werden. Starke Ängste lassen einen Tunnelblick entstehen, Lösungen und kreative Lösungsstrategien stehen dem Erwachsenen nicht mehr zu Verfügung. Diese Zustände werden als Problemtrance bezeichnet.

Problemtrance: Symptome und »psychischen und psychosomatischen Störungen« können als Problemtrance beschrieben werden. Sie sind Ausdruck von nicht willentlichen, unwillkürlichen Prozessen. Sie sind also, verbunden mit viel Leid, das Ergebnis einer wirksamen Selbsthypnose.

Die gute Botschaft: Was so erfolgreich und wirksam selbst gestaltet wurde, kann in kreativer und konstruktiver Weise wieder umgestaltet werden.

In der Hypnosetherapie werden auf achtungsvolle und empathische Weise effektive und ermutigende Vorgehensweisen angeboten. Die Betroffenen können wieder erleben, dass sie Gutes und Hilfreiches für sich tun können und die Erfahrung machen, dass sie von sich selbst und von ihrer wertvollen, weisheitsvollen, jedoch bisher unbewussten Kompetenz lernen. Durch den »inneren Lehrer« werden Würde, Selbstachtung und Selbstwirksamkeit intensiv gestärkt.

Medizinische Hypnose

Medizinische Hypnose wird bei einer Vielzahl von psychischen und psychosomatischen Störungen erfolgreich angewandt, z.B. bei Ängsten, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, chronischen Leiden, Schmerzzuständen, in der Behandlung von Traumen usw. Hypnosepsychotherapie wird auch in der Therapie mit Kindern und Jugendlichen, im medizinischen Bereich sowie zur allgemeinen Persönlichkeitsentfaltung erfolgreich eingesetzt, um zukunftsgerichtet Lebensperspektiven und Lebensfreude zu entwickeln. Zu Beginn einer Behandlung mit medizinischer Hypnose werden die therapeutische Zielsetzung definiert und der Ablauf besprochen.

Die medizinische Hypnose nutzt das dem Menschen innewohnende Potenzial durch die therapeutische Arbeit mit veränderten Bewusstseinszuständen. Der hypnotische Zustand selbst ist ein Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Konzentration. In der medizinsichen Hypnose werden Selbsterkenntnis und die Aufarbeitung von problemver­ursachenden früheren und (früh)kindlichen Erlebnissen gefördert.

Besondere Bedeutung kommt dem Bewältigen von bislang unverarbeiteten Traumen zu. Durch ressourcenorientierte Hypnose und Selbsthypnose wird es möglich, innere Gelassenheit, Sicherheit und Kraft zu finden und aufzubauen, um Lösungsschritte zu entwerfen und zu erproben.

In der medizinischen Hypnose können kreative Teile des Unbewussten helfen, neue Wege und Möglichkeiten zur Problemlösung und zur persönlichen Weiterentwicklung zu finden. Dadurch können Fehlhaltungen und festgefahrene Verhaltensmuster aufgelöst und innere Potenziale verfügbarer gemacht werden.

 

Behandlungsangebote in der medizinischen Hypnose